Fünfzig Jahre Freiheit am Wasser
Vom städtischen Hippie-Campingplatz zum steward-owned Stadtcampingplatz
Die Geschichte von Camping Zeeburg beginnt in der Hippiezeit. In den 1970er Jahren strömten junge Reisende nach Amsterdam und rollten ihre Schlafsäcke auf dem Dam und im Vondelpark aus. Um ihnen einen Platz außerhalb des Stadtzentrums zu bieten, eröffnete die Stadt Amsterdam 1974 den Campingplatz Zeeburg an der Zuiderzeeweg. Was als einfacher städtischer Campingplatz für Reisende mit kleinem Budget begann, entwickelte sich zu einem der außergewöhnlichsten Orte Amsterdams.
Ein Ort, an dem Freiheit, Gastfreundschaft und eine gute Portion Amsterdamer Eigenwilligkeit seit mehr als fünfzig Jahren den Ton angeben.












Wo Anderssein ganz normal war
Von Anfang an war Zeeburg anders. Weniger organisiert, mit weniger Regeln, dafür umso offener und zugänglicher. In einem Amsterdam, das von Hippies, Hausbesetzern, Künstlern und alternativen Bewegungen geprägt wurde, fühlte sich Camping Zeeburg genau am richtigen Ort an. Junge Reisende aus aller Welt fanden hier einen Platz, an dem Freiheit und Toleranz selbstverständlich waren. Backpacker, Künstler und Freigeister fühlten sich hier zu Hause. Was anderswo als ungewöhnlich galt, gehörte auf Zeeburg einfach dazu. Unterschiede wurden nicht ausgeblendet, sondern machten den besonderen Charakter des Campingplatzes aus.
1984 übertrug die Stadt Amsterdam den Campingplatz an eine Stiftung, die Arbeits- und Ausbildungsplätze für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt anbot. In einer Zeit hoher Arbeitslosigkeit übernahm Camping Zeeburg damit von Anfang an auch eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.
Diese Jahre waren geprägt vom Pioniergeist. Mit einem kleinen Team aus Mitarbeitenden und Freiwilligen wurde der Campingplatz mit viel Begeisterung, Kreativität und Durchhaltevermögen aufgebaut. Jeder packte überall mit an: Gäste empfangen, Frühstück vorbereiten, Veranstaltungen organisieren, das Gelände pflegen und Probleme lösen, sobald sie auftauchten. In den ersten Jahren wurden Gäste sogar mit einer Fähre vom Amsterdamer Hauptbahnhof zum Campingplatz gebracht, bevor später ein Shuttlebus diesen Dienst übernahm. Niemand hatte zuvor einen Campingplatz geführt, vieles entstand durch Ausprobieren und Improvisieren.
In dieser Zeit entwickelte sich Camping Zeeburg zu einem beliebten Low-Budget-Campingplatz für junge Reisende. Live-Musik, Lagerfeuer und lange Gespräche an Picknicktischen brachten Menschen aus aller Welt zusammen.
Gleichzeitig veränderte sich die Campinglandschaft in Amsterdam. Camping Het IJsbaanpad zog an einen neuen Standort um und wurde später zu Camping Gaasper, dem heutigen Camperpark Amsterdam. Zeeburg profilierte sich immer stärker als offener und unkomplizierter Treffpunkt für junge Reisende, wodurch die Zahl der Gäste schnell anstieg. Die Einrichtungen konnten mit diesem Wachstum nicht immer Schritt halten, doch die entspannte und farbenfrohe Atmosphäre machte dies mehr als wett. In diesen Jahren entstand der Charakter, für den Camping Zeeburg bis heute bekannt ist: ein lebendiger, offener und manchmal herrlich unkonventioneller Ort, an dem jeder willkommen ist und ganz er selbst sein kann.









Ein Neuanfang
Mitte der 1990er Jahre geriet Camping Zeeburg in eine schwierige Phase und seine Zukunft war ungewiss. In dieser Zeit übernahm Toon Weijenborg die Leitung des Campingplatzes. Der gebürtige Brabanter hatte mehrere Jahre in Spanien gearbeitet und erkannte Chancen, wo andere vor allem Probleme sahen.
Wie Toon später erzählte, sagten ihm einige der langjährigen Bewohner an seinem ersten Arbeitstag, dass er keine Woche durchhalten würde. Sie sollten sich irren.
Toon entwickelte einen ehrgeizigen Plan für den Umzug auf ein neues Gelände. Dieser wurde im Winter 1996-1997 Wirklichkeit, als Camping Zeeburg an seinen heutigen Standort an der Zuider IJdijk umzog: eine grüne Insel, umgeben von Wasser, mitten in der Natur und dennoch nur wenige Minuten vom Amsterdamer Stadtzentrum entfernt.
Der neue Standort bot Raum für weitere Entwicklungen, während der offene und eigenwillige Charakter des Campingplatzes erhalten blieb. Von der Zuider IJdijk aus entwickelte Camping Zeeburg seine ganz eigene Identität und wurde zu einem beliebten Reiseziel für Besucher aus aller Welt.











Mit Blick auf die Zukunft wachsen
Camping Zeeburg entwickelte sich kontinuierlich weiter, nicht nur durch Wachstum, sondern vor allem durch stetige Verbesserungen. Komfort, Nachhaltigkeit und Natur rückten immer stärker in den Mittelpunkt.
Es entstanden farbenfrohe Eco-Cabins mit begrünten Dächern, guter Isolierung und Fußbodenheizung. Das Café-Restaurant wurde mit charakteristischen historischen Fliesen, warmen Materialien und einer einladenden Atmosphäre neu gestaltet. Ein Ort, an dem Gäste zusammenkommen, Geschichten austauschen und gemeinsam gutes Essen, Getränke und Live-Musik genießen. Außerdem entstand ein nachhaltiges Sanitärgebäude, das zu den innovativsten seiner Art in den Niederlanden gehörte. Gleichzeitig wurde intensiv in Biodiversität, Begrünung und klimabewusste Maßnahmen investiert.
Auch das Gelände selbst entwickelte sich weiter. Neue Campingfelder entstanden, der Natur wurde mehr Raum gegeben und schließlich wurde ein neues Inselgelände speziell für Zeltcamper angelegt.
So entstand nach und nach der Campingplatz, den viele Gäste heute kennen: ein grüner Stadtcampingplatz, auf dem Natur, Begegnung und Amsterdam auf einzigartige Weise zusammenkommen.












Eine neue Zukunft für Camping Zeeburg
Im Jahr 2024 entschied sich Toon Weijenborg nach mehr als 30 Jahren, Camping Zeeburg in neue Hände zu geben. Anstatt den Campingplatz an einen Investor oder eine internationale Hotelkette zu verkaufen, die seiner Meinung nach bereits genügend Einfluss in Amsterdam hatten, wählte er einen anderen Weg. Camping Zeeburg wurde in die neu gegründete Stichting Beheer Camping Zeeburg (Stiftung zur Verwaltung von Camping Zeeburg) eingebracht.
Damit wurde bewusst eine Zukunft gewählt, in der Unabhängigkeit, Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung im Mittelpunkt stehen. Mögliche Gewinne fließen nicht an Anteilseigner, sondern werden wieder in den Campingplatz und seine sozialen sowie nachhaltigen Ziele investiert.
Im selben Jahr wurde außerdem ein lang gehegter Wunsch Wirklichkeit: die Eröffnung des neuen Inselbereichs. Diese Erweiterung schafft mehr Raum für Gäste, Natur und Erholung und zeigt, dass Entwicklung und Naturschutz Hand in Hand gehen können.










Ein halbes Jahrhundert später
Heute begrüßt Camping Zeeburg jedes Jahr mehr als 80.000 Gäste aus aller Welt. Backpacker, Radreisende, Familien, Camper und Stadtentdecker finden hier einen Ort am Wasser, an dem Amsterdam ganz nah ist, sich der Trubel der Stadt jedoch angenehm weit entfernt anfühlt.
Vom städtischen Provisorium zu einem beliebten Stadtcampingplatz, von einem sozialen Beschäftigungsprojekt zu einem steward-owned Unternehmen: In den vergangenen fünfzig Jahren hat sich vieles verändert. Die Hippies sind verschwunden, ihr freier Geist ist geblieben. Die Stadt veränderte sich, der Tourismus entwickelte sich weiter und Camping Zeeburg entwickelte sich mit. Doch der Kern ist derselbe geblieben: ein Ort, an dem jeder willkommen ist, Unterschiede ihren Platz haben und Freiheit mehr ist als nur ein Wort, sie ist etwas, das man schon beim Betreten des Geländes spürt.
So wie sich Amsterdam verändert hat, hat sich auch Zeeburg weiterentwickelt. Die rauen Kanten wurden mit der Zeit weicher, doch die offene und herzliche Atmosphäre blieb. Vielleicht ist genau das seit jeher die größte Stärke von Camping Zeeburg: sich immer wieder neu zu erfinden, ohne dabei seine Seele zu verlieren.








